GFN_horiz_100

PRESSE MITTEILUNG

Der Erdüberlastungstag 2026 fällt auf den 30. Juli:

Der grösste je gemessene Overshoot, und dennoch bleiben die meisten Länder unvorbereitet

 

Eine Analyse von Global Footprint Network und Greenings zeigt, dass keine nationale Strategie eines Landes den ökologischen Overshoot in relevanter Weise anerkennt, obwohl vieles darauf hindeutet, dass wirtschaftliche Stabilität von Ressourcensicherheit abhängt.

GENF, SCHWEIZ, 30. Juli 2026. Der diesjährige Erdüberlastungstag (oder Earth Overshoot Day) fällt auf den 30. Juli, jenes Datum, an dem die Nachfrage der Menschheit nach Natur übersteigt, was die Ökosysteme der Erde in diesem Jahr regenerieren können. Dies teilt Global Footprint Network mit. Die Menschheit nutzt die Natur derzeit um 73 Prozent schneller, als die Ökosysteme regenerieren können, was dem Leben auf 1,73 Erden entspricht.

Das spätere Datum in diesem Jahr ist die Folge revidierter Daten und nicht eines nachlassenden Ressourcenverbrauchs. Eine Aufwärtsrevision der Fähigkeit der Ozeane, Kohlenstoff aufzunehmen, verschob das Datum zusammen mit kleineren Anpassungen um acht Tage nach hinten. Das reale Wachstum des Overshoots im vergangenen Jahr verschob es um zwei Tage nach vorne. Netto ergibt das sechs Tage später als 2025. Auf einer einheitlichen Datengrundlage ist der Overshoot dieses Jahres der grösste je gemessene.

Zum Overshoot tragen verschiedene Faktoren bei, etwa Autos, Kraftwerke und Fabriken, die mehr CO₂ ausstossen, als die Biosphäre aufnehmen kann, ein Süsswasserverbrauch, der über die Neubildung hinausgeht, ein Holzeinschlag, der das Nachwachsen übersteigt, und Fangmengen, die grösser sind als das, was die Bestände nachbilden können. Übernutzung zehrt das Naturkapital auf und gefährdet die langfristige wirtschaftliche Sicherheit weltweit.

Overshoot im Zeitverlauf

Abbildung 1: Diese zeigt, wie sich die Daten des Earth Overshoot Days / Erdüberlastungstag im Laufe der Zeit verschoben haben, gemäss der neuesten Ausgabe der National Footprint and Biocapacity Accounts. Dateigrösse zum Anzeigen/Herunterladen wählen: klein (0,2 MB jpg) | gross (0,9 MB jpg)

Obwohl der Overshoot dieses Jahres der grösste aller Zeiten ist, bewegt sich das Datum seit über 15 Jahren innerhalb eines engen Fensters. Der orange Abschnitt der Grafik zeigt jenen Teil des Jahres, in dem die Menschheit lebt, indem sie unseren Planeten weiter aufzehrt. Die Schäden des Overshoots sind kumulativ, was bedeutet, dass der Druck auf den Planeten auch dann zunimmt, wenn das Datum stabil bleibt. Der Overshoot jedes Jahres vergrössert die bereits bestehende ökologische Schuld. (Nachweis der Abbildung: Global Footprint Network, www.overshootday.org)

Der blinde Fleck der Regierungen beim Overshoot

Trotz dieses Overshoots behandeln kaum nationale Regierungen die Ressourcensicherheit als zentralen Bestandteil ihrer Wirtschaftsplanung, obwohl der ökologische Overshoot Stagflation, Ernährungs- und Energieunsicherheit, Gesundheitskrisen und Konflikte befeuert. Dies zeigt der Sonderbericht «Prepared for the Predictable? Overshoot and the Failure of Countries to Ready Themselves» (Vorbereitet auf das Vorhersehbare? Overshoot und das Versäumnis der Länder, sich darauf einzustellen), den Global Footprint Network und Greenings zum Erdüberlastungstag erarbeitet haben.

Diese Analyse wendete ein Bewertungsraster über vier führende grosse Sprachmodelle hinweg an; die Ergebnisse wurden anhand veröffentlichter politischer Dokumente überprüft. Mit dieser Untersuchung ermittelten Global Footprint Network und Greenings, welche Länder den Overshoot als wirtschaftliche Bedrohung anerkennen und wie weit ihre Politik tatsächlich geht, um sich darauf vorzubereiten. Sie stellten fest, dass die meisten Länder Nachhaltigkeit als Nebenthema behandeln statt als strukturelles Risiko für Wachstum, Fiskalstabilität und langfristige Wettbewerbsfähigkeit, und dass kein Land die Wirtschaftsplanung vollständig mit den physischen Ressourcengrenzen verknüpft.

Wichtigste Ergebnisse:

  • Keine der analysierten nationalen Strategien geht in bedeutsamer Weise auf die Risiken des Overshoots ein.
  • Chinas aktueller Fünfjahresplan erzielte die höchste Bewertung, bleibt aber hinter einer angemessenen Antwort zurück.
  • Die nationalen Strategiedokumente Argentiniens erzielten die tiefste Bewertung aller geprüften Dokumente.
  • Die Europäische Union schnitt schlechter ab, als ihre Bilanz in der Nachhaltigkeitsberichterstattung vermuten liesse, was auf eine Lücke zwischen öffentlichen Zusagen und Wirtschaftsplanung hindeutet.

Die Ergebnisse legen nahe, dass Nachhaltigkeit selbst dort, wo sie im öffentlichen Diskurs anerkannt wird, nicht konsequent in jenen strukturellen Entscheidungen abgebildet ist, die nationale Volkswirtschaften prägen.

national strategy reports' inclusion of overshoot risks

Abbildung 2: Sie zeigt, in welchem Ausmass die Strategiedokumente der Länder den Overshoot anerkennen (x-Achse) und darauf reagieren (y-Achse). Der grüne Smiley in der oberen rechten Ecke markiert, wo Strategien gemäss unserem Bewertungsraster stehen müssten, um den Overshoot in bedeutsamer Weise anzuerkennen und darauf zu reagieren. Die grauen Ellipsenwolken stellen die Bandbreite der Bewertungen dar, die für jedes analysierte Strategiedokument erzeugt wurden. Dateigrösse zum Anzeigen/Herunterladen wählen: klein (0,12 MB jpg) | gross (0,15 MB jpg)

«Overshoot ist keine ferne Umweltsorge. Er hat bereits wirtschaftliche Folgen», sagt Dr. David Lin, einer der Hauptautoren der Studie und Chief Scientist bei Global Footprint Network. «Länder, die für eine Zukunft mit knappen Ressourcen planen, werden am besten aufgestellt sein, um sie zu bestehen. Im Moment tut das fast keines.»

Seit Anfang der 1970er-Jahre übersteigt die Nachfrage der Menschheit durchgehend die Biokapazität, also die Fähigkeit des Planeten, jene Ressourcen und kritischen ökologischen Leistungen zu regenerieren, die unsere Volkswirtschaften tragen. Die Autorenschaft des Berichts empfiehlt jedem Land, eine Task Force oder eine parlamentarische Kommission einzusetzen, um die eigenen Ressourcenabhängigkeiten, die finanzielle Exponiertheit und die Optionen für den Aufbau von Resilienz zu kartieren, bevor der nächste Ressourcenschock eintritt.

«Ressourcensicherheit hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Gesundheit, die wirtschaftliche Resilienz und die Sicherheit eines Landes. Am meisten überrascht hat mich, dass Regierungen sich noch immer weitgehend darauf konzentrieren, Symptome zu behandeln, statt die zugrunde liegende Erkrankung des ökologischen Overshoots zu diagnostizieren und darauf zu reagieren», kommentierte Dr. Kristin Kostka, Vorstandsmitglied von Greenings.

«Ressourcensicherheit prägt die Transitionspfade. Wer fliegt im Blindflug, und wer korrigiert den Kurs?», ergänzte Dennis West, Gründungspräsident von Greenings.

Der vollständige Bericht mit detaillierten Länderergebnissen und der Methodik ist verfügbar unter https://footprintnetwork.org/prepared-for-the-predictable

Möglichkeiten, auf den Overshoot zu reagieren

Es gibt viele Wege, auf den Overshoot zu reagieren. Gelingt dies, endet der Overshoot durch Gestaltung statt durch Katastrophe. Power of Possibility zeigt über 100 Optionen auf, die bereits verfügbar und finanziell vorteilhaft sind, in fünf Schlüsselbereichen: Städte, Energie, Ernährung, Bevölkerung und Planet. So würde etwa eine Reduktion der CO₂-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe um 50 Prozent das Datum um drei Monate verschieben (#MoveTheDate). Es gibt auch Unternehmen, die das Datum verschieben (#MoveTheDate), während sie wachsen. Solche Unternehmen sind am besten aufgestellt, um in einer Zukunft mit Klimawandel und Ressourcenknappheit an Wert zu gewinnen. Regionen, Städte, Unternehmen und Länder, die sich auf diese vorhersehbare Realität nicht vorbereitet haben, tragen deutlich höhere Risiken.

###

Medienkontakte

media@footprintnetwork.org

Visuelles Material zum Herunterladen unter https://overshoot.footprintnetwork.org/newsroom/visuals/

Mit Vorlaufzeit sind Medieninterviews auf Englisch, Französisch, Spanisch und Deutsch möglich.

Weiterführende Ressourcen (meist auf Englisch)

Über Global Footprint Network

Global Footprint Network ist eine internationale Forschungsorganisation, die die Konzepte des ökologischen Fussabdrucks und der Biokapazität entwickelt und anwendet und damit Regierungen, Unternehmen und Einzelpersonen dabei unterstützt, wirksam auf die weltweite Ressourcenverknappung zu reagieren, die vom ökologischen Overshoot angetrieben wird. Sie koordiniert zudem den Erdüberlastungstag, der jedes Jahr jenes Datum markiert, an dem die Nachfrage der Menschheit nach Natur übersteigt, was die Erde regenerieren kann. www.footprintnetwork.org

Über Greenings

Greenings ist eine unabhängige, gemeinnützige Mitgliederorganisation mit Sitz in der Schweiz, gegründet im Jahr 2010, die Führungspersönlichkeiten im Wandel aus Wirtschaft, Regierung, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Finanzwesen verbindet. Unsere Mission ist es, Champions zu fördern, indem wir die Plattform bereitstellen, um den Wandel zu nutzen und heute Wert zu schaffen. www.greenings.org

Über den Ökologischen Fussabdruck

Der Ökologische Fussabdruck ist die umfassendste verfügbare Kennzahl zur Bilanzierung biologischer Ressourcen. Gestützt auf 15’000 Datenpunkte pro Land und Jahr summiert er sämtliche konkurrierenden Ansprüche der Menschen an biologisch produktive Flächen: Nahrung, Holz, Fasern, Kohlenstoffbindung und Flächen für Infrastruktur. Derzeit macht der CO₂-Fussabdruck, also die Kohlenstoffemissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe, 60 Prozent des Ökologischen Fussabdrucks der Menschheit aus. Die Nationalen Fussabdruck- und Biokapazitätskonten werden inzwischen von der York University in Toronto erstellt und von FoDaFo verantwortet.